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11.07.2011, 18:19 Uhr
Kommt ein Bürger-Windpark ?
Kann sich Dornstadt mit dem Windpark Tomerdingen/Bermaringen selbst mit Strom versorgen? Es kann, hieß es in einer CDU-Veranstaltung in Temmenhausen. Auch über ein Bürgermodell wird diskutiert.

Temmenhausen.  Kann sich Dornstadt mit dem Windpark Tomerdingen/Bermaringen selbst mit Strom versorgen? Es kann, hieß es in einer CDU-Veranstaltung in Temmenhausen. Auch über ein Bürgermodell wird diskutiert.

Als Wirtschaftswissenschaftler habe er sich schon vor der Atomkatastrophe in Japan mit der Thematik auseinandergesetzt und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass - wenn man ehrlich damit umgeht - die Windenergie schon jetzt die günstigste Energieform ist, sagte der Referent Manfred Pawlita bei einer Veranstaltung der CDU in Temmenhausen. Deshalb drängt sich für ihn die Frage auf: "Kann Dornstadt sich mit dem Windpark Tomerdingen/Bermaringen selber mit Strom versorgen?" Diese Frage wolle er zu beantworten versuchen.

Nach der Atomkatastrophe in Fukushima sprächen sich viele Menschen für eine Energiewende aus. Warum solle Dornstadt nicht mit zu den ersten Kommunen gehören, die sich durch eigene Windenergie unter anderem mehr Sicherheit und Wirtschaftskraft, regionales Wachstum und effizienten Klimaschutz sowie günstige Strompreise sichern, fragte Pawlita.

Beim neu geplanten "Windpark Tomerdingen-Bermaringen" durch private Investoren oder durch eine Bürgerbeteiligung handle es sich um fünf Windkraftanlagen vom Typ Enercon E82 mit je 2300 Kilowatt Nennleistung. Die Rotordurchmesser blieben mit 82 Metern gleich; der größere Gesamtertrag des neuen Windparks mit rund 21 500 Megawattstunden pro Jahr resultiere aus der größeren Nabenhöhe von 138 Metern, so Pawlita. Tatsächlich werde dadurch eine Verdoppelung der Windkraftanlagen in diesem Gebiet erreicht. Die fünf bereits in Betrieb befindlichen Anlagen liefern zirka 15 000 Megawattstunden pro Jahr.

Die Unterlagen für die Genehmigung des Ausbaus seien im April 2011 eingereicht worden und man rechne optimistisch mit einem Baubeginn im Frühjahr 2012. Die weiteren Schritte sollen jetzt schnell folgen: eine Informationsveranstaltung im Gemeinderat sowie Veranstaltungen für Einwohner und Bürger, damit die Idee, den neuen Windpark wenigstens teilweise als Bürgerwindkraftwerk zu erbauen und zu betreiben, verwirklicht werden könne, schloss Pawlita.

Zahlreiche Kommunen hätten sich schon in der Energieversorgung selbständig gemacht und die Gemeinde Dornstadt solle die jetzige Chance mit dem neuen Windpark als Bürgerwindkraftwerk nutzen. Andere Investoren stünden schon Gewehr bei Fuß, sagte Dieter Grauling, der sich selbst engagiert. Die Gemeinde sollte in die Zukunft schauen und dabei unternehmerrisch denken. Sicherheit und Unabhängigkeit in der Energieversorgung seien mittelfristig und langfristig eine sehr wichtiger Aspekt und für die Gemeinde eröffneten sich neue und größere Gestaltungsmöglichkeiten.

Das Thema Bürgerwindkraftwerk sollte offen im Gemeinderat und in der Gemeinde diskutiert werden, schlug CDU-Fraktionsvorsitzender Karl Knab vor. "Es ist kurz vor 12, und wenn wir es in den nächsten drei Monaten nicht schaffen, unsere Bürger sowie das örtliche Gewerbe und die Industrie zu mobilisieren, ist der Zug mit dem Dornstadter Bürgerwindkraftwerk abgefahren."

Pro Windkraftanlage rechnet der Betreiber mit einer Investitionssumme von etwa 3,5 Millionen Euro. Deshalb konnten sich nicht alle Zuhörer - bei einem Gesellschafteranteil von Minimum 10 000 Euro - eine größere Bürgerbeteilung vorstellen. Zumal Helmut Semler, Vorstandsmitglied der neu gegründeten Genossenschaft "Bürgerenergie Dornstadt", in seinem Sachstandsbericht die Hoffnung aussprach, an der Mitgliederversammlung am 25. Juli im Dornstadter Bürgersaal die benötigen rund 200 000 Euro für die geplanten Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Gemeindegebäude zusammen zu bekommen.

Er sei schon ein bisschen verunsichert, fasste ein Zuhörer die Stimmung zusammen. Er sei davon ausgegangen, dass die neue Genossenschaft "Bürgerenergie Dornstadt" eigentlich etwas kleinere Brötchen bäckt; und jetzt komme die Aktion mit dem "Windpark Tomerdingen-Bermaringen", der insgesamt 17,5 Millionen Euro kosten soll. In seinem Schlusswort stellte der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbands Marc Bernhard noch einmal heraus, dass es sich um zwei unterschiedliche Projekte handle. Jeder Bürger könne mit einem Anteil von 500 Euro sofort Genossenschaftsmitglied bei der Bürgerenergie werden. Der Windpark sei ein etwas größeres Projekt und muss erst einmal in den Gemeinderat.

Diese Informations- und Diskussionsveranstaltung im "Gasthaus am Berg" in Temmenhausen war vom CDU-Gemeindeverband Dornstadt-Westerstetten unter das Motto "Energiewende - Chancen der Bürgerbeteilung auf der Ulmer Alb" gestellt worden. In neuester Zeit habe sich auf dem Energiesektor mehr verändert, als in den 30 Jahren zuvor, sagte Marc Bernhard. Eine künftige dezentrale Energieversorgung in Deutschland lasse sich nur durch mehr Bürgerbeteilung erreichen. "Wir müssen vor Ort was tun, unabhängig von Parteipolitik", unterstrich Bernhard.